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Licht, kein Licht
Ein Mann, der grundlos auf Menschen geschossen hat, ist ins Gefängnis gewandert. Ein psychologisches Gutachten hatte vor Gericht seine Zurechnungsfähigkeit infrage gestellt. Die Jury hatte sich entschlossen, dieses Gutachten außer Acht zu lassen. Eine der Geschworenen, eine junge Labormitarbeiterin (Naemi Latzer), trifft auf einen Soziologen (Sebastian Klein), der an einer Arbeit über den juristischen Strafvollzug arbeitet. Sein besonderes Interesse gilt der Frage, ob Gutachten im Widerspruch zum Volkszorn bzw. zum Wunsch nach Rache stehen. Ein Gutachten, so erfährt er, muss sich selbstverständlich ein umfassendes Bild vom Täter schaffen. Die Vorgeschichte, Tendenzen und Traumata untersuchen, um dann das Strafmaß festzulegen. Auch Regisseur Matthias van Baaren versucht, ein umfassendes Bild von seiner Geschworenen zu zeichnen. Offensichtlich lebt sie einen von Monotonie und Einsamkeit streng getakteten Alltag: In den frühen Morgenstunden geht es zwischen grau getünchten Häusern ins Labor, es folgen stundenlange Probenanalysen, und abends gibt es Take-out-Essen mit dem herablassenden Ehemann (Lukas Walcher). Sie sei noch immer so stolz darauf, dass sie einmal Geschworene war. Seitdem "funktioniert nichts mehr mit dir". Am Wochenende gibt es noch Kaffee mit seiner Mutter, die sich als Paradebeispiel für aufgeheizten Volkszorn entpuppt. "Es kann ja nicht jeder aus der Reihe tanzen." Vor dem Hintergrund dieses Auf-der-Stelle-Herumtretens entsteht eine aufgeladene Debatte zwischen der Geschworenen und dem Soziologen über Schuld, Zurechnungsfähigkeit und die Frage, was es bedeutet, mit gesellschaftlichen Normen zu brechen.